Nachdem bei der Debatte um die Listenerstellung der Wiener Grünen von vielen Nicht-Grünen großes Rätselraten war, wie dieses Single-Transferable-Vote bei Listen (und nicht nur einer Einzelperson) funktioniert, die Grünen das aber nirgendwo öffentlich dokumentiert haben, hier die interne Darstellung des Systems - ausnahmsweise unkommentiert, damit sich jeder ein Bild davon machen kann:

Erklärung zum Wahlmodus betreffend die Listenwahl der Plätze 1 bis 8 mittels STV (Single Transferable Vote = Wahl mit gleichzeitiger Stichwahl).

Stimmabgabe

Es wird von allen Wahlberechtigten (=Mitglieder, Unterstützer_innen, Angehörige) ein Stimmzettel ausgefüllt.

Auf diesem werden die Kandidatinnen und Kandidaten in der persönlich bevorzugten Reihenfolge gereiht: Am liebsten hätte ich Person A auf der Liste, am zweit liebsten Person B, am dritt liebsten Person C usw. Bis zur maximalen Anzahl an Personen können alle in der Reihenfolge der persönlichen Präferenz drauf geschrieben werden, d.h. momentan 29.

Das ist analog zur Spitzenwahl, dort konnte man 0 bis 5 Personen drauf schreiben in der individuell bevorzugten Reihenfolge.

Der Person, die vorne steht, schadet es nicht, wenn man hinten weitere Personen drauf schreibt (mathematisch nennt sich das later-no-harm).

Füllt man nur einen Namen aus, so kann es sein, dass diese eine Stimme nie eine Bedeutung hat, denn wenn der Name gestrichen wird, ist der Wahlvorschlag erschöpft.

Damit ist die Wahl in einem Wahlakt beendet, es folgt die Auszählung.

Auszählung

Die Auszählung erfolgt in mehreren Runden, und zwar abwärts-stabil:

1. Runde: Es wird der Listenplatz 1 ausgezählt, wie es bei der Spitzenwahl auch der Fall war. Die Quote beträgt >50 %, wenn eine Person so viele Stimmen als Erstnennungen hat, ist sie gewählt. Hat niemand mehr als 50 %, so wird die Kandidatin/der Kandidat mit den wenigsten Erstnennungen gestrichen und seine Zweitstimmen auf die anderen aufgeteilt. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis eine Person mehr als 50% der Stimmen hat.

Hier noch einmal der Link zum Video der Spitzenwahl: https://www.youtube.com/watch?v=lccAZ6W-tdY

2. Runde: Alle Stimmzettel spielen in der ursprünglichen Gestalt wieder mit. Jetzt werden mittels STV 2 Plätze bestimmt, die Quote beträgt >33 1/3 %. Wenn eine Person mehr als die Quote hat, so ist sie gewählt. Hat niemand die Quote erreicht, so werden die schwächsten Kandidat_innen gestrichen und die entsprechenden nächsten Stimmen auf den Stimmzetteln übertragen. So lange, bis eine Person mehr als 33 1/3 % der abgegebenen, gültigen Stimmen hat. Jetzt passiert etwas Neues: Der die notwendige Quote übersteigende Anteil der Stimmen wird proportional auf die nachfolgenden Stimmen auf den Stimmzetteln übertragen. Hat die erste Person z. B. 66 2/3 % der Stimmen erreicht, so wäre eigentlich nur die Hälfte der Stimmen notwendig gewesen. Daher zählt auf jedem der Stimmzettel für die erste Person jetzt wie 1/2 Stimme für die nächste genannte Person. Und diese werden auch übertragen. Es folgen weitere Streichungen, falls notwendig, bis eine zweite Person die Quote übertrifft. Diese beiden sind dann gewählt, Nachdem in Runde 1 schon Platz 1 bestimmt wurde, kommt hier Platz 2 dazu.

3. Runde: Wieder beginnt eine komplett neue Auszählung, die Quote beträgt jetzt mehr als 25%. Hier der Link zum Video, wie in diesem Auswertungsschritt neu ausgezählt wird (3 Plätze aus 5 Kandidaturen) https://www.youtube.com/watch?v=AHglN4WWlcw

Es kommt also ein dritter Platz dazu. Und so geht es Runde für Runde weiter, bis zur Runde 8, wo der 8. Platz bestimmt wird.

Quote:

Nach den bisherigen Bestimmungen wird vorgegangen. Wenn in einem Schritt ein Mann zu früh gewählt werden würde, werden so lange neue Runden ausgezählt, bis eine Frau dazu kommt. Diese wird dann vorgereiht und die Auszählung geht mit dem nächsten Platz normal weiter.

Das ist die Erklärung für den Normalfall. Es kann zu ein paar Spezialfällen kommen, die durch den Algorithmus in der Wahlordnung aber abgedeckt werden.

Dieses Wahlsystem wird in Australien, Irland und einigen Städten und einem Staat der USA angewendet, auf unterschiedlichen Ebenen der Staatlichen Verwaltung. Ebenso bei vielen Studierendenvertretungen und in der Sektion 8.

Wir gehen hier einen progressiven Weg: weg von einem Konkurrenzsystem hin zu einem System, das den kollektiven Willen besser abbildet und repräsentativer ist.

Außerdem ist es mit einem Wahlgang erledigt und das Auffüllen der Stimmzettel mit Dummies, um dem eigenen Kandidaten einen Vorteil durch viele Punkte zu verschaffen und gleichzeitig direkten Konkurrenten zu schaden, ist nicht möglich.