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Aussendungszeitpunkt: 27. Februar 2001 - 16:53
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Opernball (II):

> Rechtshilfe

Am Freitag und am Samstag gab es je eine gut bewache
Solidaritaetsdemonstration fuer die Verhafteten.

Gedaechtnisprotokolle, Photomaterial von beobachteten oder
erleideten Polizeiaktionen - insbesondere in Zusammenhang mit
Festnahmen und Anzeigen - bitte an die Rechtshilfe weiterleiten.
Die Uebergabe derartiger Protokolle bitte telefonisch mit der
Rechtshilfe ausmachen (01-5359109, immer waehrend der
Donnerstagsdemo). Festgenommene und alle, die eine Anzeige
bekommen, sowie alle, die irgendwelche Ladungen als ZeugInnen oder
Beteiligte erhalten, bitte ebenfalls unbedingt bei der Rechtshilfe
melden! (Spenden: BLZ:14000 KtNr.: 018 100 874 35 - "Rechtshilfe")

Ebenso sammelt die KPOe Augenzeugenberichte, Fotos etc. Kontakt:
0676/6969002.

Nach letzten Angaben sollen am Montag frueh noch 3 Personen in
Haft gewesen sein. Einer davon, ein 21jaehriger Mann, soll nach
Aussage eines mittlerweile freigelassenen Leidensgenossen
Stiefelabdruecke im Gesicht haben - was zumindest das verhaengte
Besuchsverbot erklaeren wuerde. *akin*

*

> Ernst genommen

Mit einem recht witzigen Angebot rueckte "Checkpoint Austria" am
Dienstag vor der Demo heraus: "Wir schlagen Innenminister Strasser
vor, dasz wir auf die donnerstaegliche Blockade der Oper
verzichten falls er bereit ist, die geschaetzten Einsparungen fuer
die 1000 PolizistInnen samt Geraet von ca. 5 Millionen Schilling
fuer einen karitativen Zweck umzuwidmen. Konkret stellen wir uns
vor, dem Verein AUGUSTIN das Geld zur Errichtung eines Schlaf-
Wasch-Kommunikations-Zentrums bis Donnerstag 12 Uhr zu
ueberweisen. Wir verzichten damit nicht auf unser
Demonstrationsrecht, sondern wollen mit dieser auszergewoehnlichen
Aktion nachdruecklich auf die Armut in Oesterreich hinweisen. Wir
werden morgen mit dem Innenministerium Kontakt aufnehmen und
warten gespannt auf die Reaktionen."

Ernst zu nehmen war die Sache ja nicht wirklich. Es ging ja wohl
auch nur darum, aufzuzeigen, wieviel Geld auf einmal da ist, wenn
die Hohen Herrschaften vor dem Plebs schuetzen sind. Auch kann man
vielleicht die Checkpoints absagen, aber sicher nicht die
Opernballdemo. Genausowenig haette der Innenminister so ohne
weiters Geld umwidmen koennen. EINE Politikerin hat es aber ernst
genommen - zumindest hat sie so getan. Erraten: Helene Partik-
Pablé muszte einfach presseaussenden:

"Wien, 2001-02-21 (fpd) - Als frechen Versuch, den Rechtsstaat zu
noetigen, wertete die freiheitliche Sicherheitssprecherin Dr.
Helene Partik-Pablé den heutigen Vorschlag der
Opernballdemonstranten, gegen eine Spende auf ihre Blockaden zu
verzichten. Wie Partik-Pablé betonte, duerfe man nicht einmal
ansatzweise daran denken, solchen Forderungen nachzugeben. Dieser
schamlose Noetigungsversuch zeige deutlich, wes Geistes Kind diese
Berufsrandalierer seien. Eine derartige Schutzgeldforderung hat im
Wien des 21. Jahrhunderts nichts verloren, so die freiheitliche
Sicherheitssprecherin. Als naechstes wuerden sich vielleicht die
Donnerstagsdemonstrierer dafuer bezahlen lassen wollen, dasz sie
zu Hause blieben und nicht randalierend durch Wien zoegen."

Was ja an sich keine schlechter Vorschlag waere. Bekanntlich 
behaupten ja rechte Kreise immer, linke Demonstranten wuerden fuer
ihre Aktivitaeten bezahlt. Nachdem ich bis heute immer noch keinen
Schilling dafuer gesehen habe und diese Bezahlung mittlerweile
doch fuer ein Geruecht halte, waere es einmal ein ganz nette Idee,
vielleicht fuer mein Daheimbleiben ein bisserl was zu bekommen... *br*

*

> Was fehlt bei...

...der Berliner "tageszeitung", vormals "taz"? Die berichtete am
Freitag mit einem Photo samt lakonischem Text vom Ball, aber nicht
von der Demo. Am Samstag war dann folgendes zu lesen:

"Straszenschlacht beim Opernball

WIEN rtr Der Walzer beim Wiener Opernball ist nicht ohne Proteste
verklungen. Bei einer Demonstration von Gegnern der Veranstaltung
wurden nach Polizeiangaben 21 Polizisten von randalierenden
Demonstranten verletzt. 42 Personen seien festgenommen worden,
teilte die Polizei gestern mit. Die Besucher des Festes am
Donnerstagabend blieben von den Ausschreitungen unbehelligt. Die
Straszen um das Opernhaus waren gesperrt und wurden von mehr als
eintausend Polizisten gesichert. Ihnen standen nach Schaetzungen
der Polizei rund 800 Demonstranten gegenueber. Auszerhalb der
Sperrzone wurden von einigen Teilnehmern der Kundgebung
Pflastersteine und Flaschen geworfen sowie Muellcontainer in Brand
gesteckt. Wegen der Absperrungen durch die Polizei gelangte der
Protestzug nicht einmal in Sichtweite des Opernhauses. Dort
tanzten rund 4.600 Ballbesucher in Frack oder eleganter Ballrobe
Walzer. Das Fest, das als prunkvollste Veranstaltung der Wiener
Ballsaison gilt, brachte der Oper einen Gewinn von rund 1,4
Millionen Mark. Bei den Ausschreitungen wurden mehrere Wagen der
Polizei und Privatautos, sowie einige U-Bahn-Stationen
beschaedigt."

Ein Agentur-Bericht, nichts weiter. Liebe Tazler, wenn ihr nichts
darueber berichten koennt oder wollt, ist das in Ordnung. So
wichtig ist der Opernball auch wieder nicht. Aber dann einen
Bericht zu uebernehmen, der vor Staatstraeglichkeit nur so
strotzt, ist nicht gerade das, was ich mir von eurem vormals so
fortschrittlichen Blatt trotz alledem immer noch erwarte... *br*
 

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