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Aussendungszeitpunkt: 17. Januar 2001 - 5:56
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Welt/Geldung:

> Alle Jahre wieder

Zum heurigen World Economic Forum

Dieses Jahr findet vom 25. bis zum 30. Januar, wie jedes Jahr um
diese Zeit, das Forum des WEF in der Schweizer Kleinstadt Davos
statt. Nochmehr als in den letzten Jahren wird von verschiedensten
Gruppierungen und Einzelpersonen zu Protesten mobilisiert, um dem
diesjaehrigen Gipfel moeglichst breiten Widerstand
entgegenzusetzen.

Seit den siebziger Jahren werden jedes Jahr, jeweils Ende Januar,
hunderte von "top business leadern", sekundiert von VertreterInnen
aus Politik, Wissenschaft, Kultur und natuerlich begleitet von den
Medien, vom WEF (Genf) nach Davos gerufen. Die ("Non Profit"-)
Organisation WEF wird getragen von den profitabelsten,
wachstungsstaerksten privaten Wirtschaftsunternehmen: Monsanto,
McDonalds, Shell, Novartis, Deutsche Bank, Siemens, VW, Philip
Morris, du Pont, Coca Cola, CNN, Deutsche Boerse, Mobil, Nestlé
und hunderten anderen, deren Interessen das WEF ausschlieszlich
verpflichtet ist.

Das WEF hat sich als Organisation etabliert, um fuer die
Weltwirtschaft und die patriarchale Weltordnung wichtige Fragen
und Probleme herauszufiltern und die richtigen Maenner plus einige
wenige Frauen zusammenzufuehren.

Oberstes Ziel dieses Fonds ist es, eine "globale Gemeinschaft zu
bilden, eine weltweite Vernetzung zwischen den
Entscheidungstraegern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und
Medien". Deshalb werden neben dem jaehrlichen Treffen immer mehr
regionale Konferenzen organisiert (z.B. in Lateinamerika, Indien
und Ostasien... und auch Salzburg!), um konkret auf "die
Problemstellungen der Region eingehen zu koennen - und nebenbei
die "internationale Geschaeftswelt" mit den "politischen Fuehrern"
einiger Laender in Kontakt zu bringen.

Das Davoser Forum ...

Das Davoser Forum ist das jaehrliche Treffen der Organisation,
- sozusagen der "Gipfel der Gipfel". Hier treffen sich ueber tausend
UnternehmensfuehrerInnen, rund 250 StaatsvertreterInnen, etwa 300
WissenschaftlerInnen, hochrangige KulturtraegerInnen, sowie ein
Tross von Medienleuten. (Die JournalistInnen werden dabei in drei
Kategorien eingeteilt: die erste sind freischaffende, alternative
und kritische Medien, diese sind am WEF nicht zugelassen, die
zweite wird zugelassen, aber nicht zu allen Veranstaltungen, die
dritte sind die "Global Media Leaders" mit unbeschraenkten
Zutritt.) Das Davoser Forum definiert die "Loesungen" zu
wirtschaftlichen, politischen und sozialen Problemen - immer mit
Blick auf die Praxis. So bruestet sich das Forum damit, eine
Schluesselrolle bei der Festsetzung neuer wirtschaftlicher,
politischer, kultureller und sozialer Tendenzen und
Stossrichtungen zu spielen und bei der Umsetzung von (neuen)
Strategien der multinationalen Konzerne (und Staaten) "Resultate
vorantreiben und ihre Potentiale maximieren zu koennen".

Zusammenfassend ist der Zweck des Forums, eine "globale
Gemeinschaft, eine weltweite Vernetzung zwischen den
EntscheidungstraegerInnen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft
und Medien zu schaffen", damit diese Elite besser die
Verantwortung, "den Zustand der Welt zu verbessern" uebernehmen
kann. In der Realitaet heisst dies, dasz die "global leaders" eine
tragende Rolle bei der Bestimmung der Weltpolitik haben sollen.

...und der dazugehoerige Widerstand

Im Januar 2000 gab es die bisher massivsten Proteste gegen  das
Gipfeltreffen in Davos. Obwohl jegliche Demonstrationen und
Kundgebungen in der gesamten Stadt untersagt waren und die
Schweizer Regierung sogar Militaer nach Davos beorderte, nahmen
rund 1500 Menschen an den Protesten teil. Als mehrere
Polizeisperren durchbrochen wurden, setzte die Exekutive
Traenengas und Gummischrot ein. Direkt gestoert konnte dieses
exklusive Gipfeltreffen jedoch nicht werden. Das soll dieses Jahr
anders werden.

Definiertes Ziel der diesjaehrigen Mobilisation ist es neben der
Groszdemonstration am 27.1. und dem darauffolgenden RadicalRave
eine Totalblockade des WEF-Treffens, das effektiv vom 25.-30.1.
stattfindet, herbeizufuehren.

Neben der schweizerischen Gruppen der Anti-WTO-Koordination von
denen die eigentliche Mobilisierung ausgeht, beteiligen sich noch
zahlreiche andere Gruppen und Organisationen, groesztenteils aus
Italien und der Schweiz, aber auch aus Frankreich, Deutschland
sowie aus zahlreichen anderen Laendern (z.B. Kolumbien) an der
Informationsarbeit zu den Protesten zum Gipfeltreffen. Auch ein
Indymedia-Center soll waehrend der Proteste eingerichtet werden,
geplant sind u.a. Live-Berichte, Radiouebertragungen, WebCam und
eine extra Indymedia Homepage.

Uebrigens findet jedes Jahr Anfang Juni in Salzburg das WEF
Eastern European Summit statt. Gerade in Bezug auf die EU
Osterweiterung und der zugehoerigen Vorbereitungsphase
(Privatisierungen, Fortschreiten des Neoliberalismus) spielt
dieses eine wichtige Rolle. Wir hoffen, dasz die Proteste von
Davos als Anstoss fuer widerstaendische Aktionen in Salzburg
dienen werden. *gegeniwf@graffiti.net/gek.*

***

Kontakte:

Provisorischer Kontakt fuer Oesterreich: gegeniwf@graffiti.net,
Allgemeiner Kontakt: anti-wto@reitschule.ch Anti-WTO Koordination,
Postfach 7611, 3001 Bern, Schweiz; Mailingliste: um sich
einzutragen, leeres Mail schicken an: antiwefinfo-
subscribe@egroups.de;
Weiterleitende Homepages: www.reitschule.ch/reitschule/anti-wto/texte.shmtl;
www.davos2001.ch; www.under.ch; www.weforum.org
(WEF-Homepage)
Das Indymedia-Buero ist in Davos online um permanent moeglichst
unabhaengig ueber die Proteste und Aktionen gegen den World
Economic Forum-(WEF-)Gipfel in Davos zu berichten.
http://davos.indymedia.org; switzerland@indymedia.org

***

Termine:

DEMONSTRATION IN DAVOS AM 27.JANUAR 2001 (Ort?
Immer an den blauen Lichtern orientieren)

Internationale Konferenz, Workshops und Debatten: Freitag,
26.Januar 2001, Zuerich, Volkshaus, Stauffacherstr.60: 13.30 Die
Globalisierung des Kapitals; 14.45 Workshops: 17.15: Kolumbien,
Palaestina; 20.30: Schlussveranstaltung: Eine moegliche andere
Welt - Simultanuebersetzung ganzer Tag

***

Polizeiliche Masznahmen oder Das Letzte oder Herbergssuche in Davos:

Quelle: http://davos.indymedia.org/display.php3?article_id=19

Kurz vor Weihnachten, am 21. 12. 2000, wurde die Graubuendner mit
folgender offiziellen Mitteilung der Polizei beglueckt:

>> Der Kantonspolizei Graubuenden liegen Informationen vor, wonach
die WEF-Gegner in Davos, im Praettigau und im Landwassertal
Unterkuenfte und Lagerraeumlichkeiten waehrend des Davoser
Weltwirtschaftsforums 2001 suchen. Personen die angefragt werden,
wird dringend geraten, sich diesbezueglich mit der Polizei in
Verbindung zu setzen und keinesfalls Demonstranten Unterkunft zu
bieten. Obwohl der Kleine Landrat am Dienstag ein
Bewilligungsgesuch der Anti-WTO-Koordination fuer eine
Demonstration gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) am 27. Januar
2001 abgelehnt hat, wollen die WEF-Gegner ihren Protestzug
durchfuehren. In einschlaegigen Papieren und auch ueber Internet
rufen sie Sympathisanten auf, an diesem Termin trotzdem nach Davos
zu kommen. Auch gegenueber der Presse betonte ein Sprecher der
Anti-WTO-Koordination am Mittwoch, dass die Demonstration auch
ohne Bewilligung durchgefuehrt werde. Wer die Bilder von den
Protesten anlaesslich des WEF 2000 noch in Erinnerung hat, weiss,
dass auch diese unbewilligte Demonstration mit gewalttaetigen
Ausschreitungen verbunden sein wird. Zudem ist aufgrund von
Erfahrungen bei anderen Grossanlaessen in diesem Jahr zu erwarten,
dass weit mehr Globalisierungs-Gegner als beim vergangenen WEF
nach Davos kommen wollen. <<

***

> Zitat der Woche

zum Besuch Joschka Fischers in Davos:

«Deutschland, das lange als BSE-frei galt, wird vom Rinderwahnsinn heimgesucht. In
Berlin wurde kürzlich ein Rind entdeckt, das sich für den deutschen Agrarminister
hielt. Viele Demonstranten, die früher Polizisten gehauen haben, sind heute alternde
Penner, Duftkerzenverkäufer oder deutscher Aussenminister. Das ist das Gesetz der
Liberalisierung: Wer heute haut, wird morgen Aussenminister. Und muss dann schon
wieder nach Davos. Und das kann, wer die Schweizer Alpenwelt liebt, ja nicht wirklich
wollen.»       *Der Schweizer Kabarettist Lorenz Keiser  im Zürcher "Tages-Anzeiger"*
 

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