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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Mittwoch, 12. April 2017; 20:01
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International/Menschenrechte:

> Die geheimen Gräber in Mexiko

Ein Sonderbericht zu Verschwundenen mit vielen Unstimmigkeiten

Die staatlich finanzierte Nationale Menschenrechtsrechtskommission (CNDH)
hat einen Sonderbericht über das Verschwinden von Personen und geheime
Gräber in Mexiko veröffentlicht. Der Bericht bietet keine grundsätzlich
neuen Erkenntnisse, sondern einen Überblick der entsprechenden offiziellen
Zahlen nach Bundesstaaten aufgeschlüsselt für die vergangenen zehn Jahre.
Bei der Präsentation prangerte der 1. Berichterstatter der Kommission,
Ismael Eslava, die teilweise Auskunftsverweigerung der staatlichen Behörden
sowie die Ungenauigkeit gelieferter Informationen an.

So erwähnte er, dass in dem genannten Zeitraum offiziell 855 geheime Gräber
mit den Überresten von 1.548 Körpern gefunden wurden. Dagegen kam die CNDH
bei einer systematischen Auswertung von Presseberichten auf mindestens 1.143
solcher Gräber und mit den Überresten von mindestens 3.230 Personen. Die
Zahl der Verschwundenen wird mit etwa 30.000 angegeben. Trotz der
alarmierenden Ziffer habe Mexiko den Ernst dieser Situation nicht richtig
erfasst, so Eslava. Der Bericht nennt wenig überraschend Gewalt und
Unsicherheit im Land als Hauptgrund für die Fälle von Verschwundenen und
erwähnt in diesem Zusammenhang Korruption, Straffreiheit und die das
Zusammenwirken von staatlichen Funktionären und dem organisierten
Verbrechen.

Die mexikanische Regierung gab in einer ersten Reaktion an, sie werde den
Sonderbericht "gründlich analysieren".

Massenhaftes Vorkommen

Der Fund von geheimen Gräbern ist in Mexiko nicht unüblich. Es wurden in 16
Bundesstaaten solche Gräber gefunden. Im Januar wurden 56 Leichen in einem
Massengrab in Nuevo León, im Norden des Landes, entdeckt.

Gemäß den offiziellen Zahlen wurden zwischen Februar 2007 und Januar 2016
insgesamt 681 Körper in 224 Massengräbern aufgefunden. Laut
Generalstaatsanwaltschaft der Republik (Procuraduría General de la
República - PGR) konnten weniger als 20 Prozent der Opfer identifiziert
werden.

In Iguala, im Bundesstaat Guerrero, wo vermutet wird, dass 43 Studenten von
Ayotzinapa 2014 gewaltsam verschwinden gelassen wurden, fand man 63 Gräber
mit insgesamt 133 Körpern.

Zwischen 2011 und 2012 wurden in mindestens fünf Gemeinden des Bundesstaates
Durango 351 Leichen in 15 "Narco-Massengräbern" gefunden. Im Jahr 2011
wurden außerdem fast 50 Gräber mit 193 Opfern in der Gemeinde San Fernando,
Tamaulipas, gefunden.

Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass die tatsächliche Anzahl an
Verschwundenen weitaus höher also die offiziellen 30.000 ist. Die "Bewegung
für Unsere Verschwundenen in Mexiko" (Movimiento por Nuestros Desaparecidos
en México) sagt, dass gerade einmal zwei von zehn Fällen angezeigt werden.

Zum Beispiel Veracruz

Der Generalstaatsanwalt von Veracruz gibt zu, dass im Bundesstaat 2.400
Menschen als verschwunden registriert sind. Die Nationale
Bürgerbeobachtungsstelle (Observatorio Nacional Ciudadano), eine
zivilgesellschaftliche Organisation, die den Behörden kritisch auf die
Finger schaut, kritisierte letzten Monat, dass es elf unterschiedliche
Datenbanken zur Registrierung von Verschwundenen in Mexiko gäbe, was die
Einschätzung der Situation im Land erheblich erschweren würde.

Erst kürzlich nahm Generalstaatsanwalt Jorge Winckler in einem Interview mit
dem Fernsehsender Televisa Bezug auf den Fall. Dabei bestätigte er:
"Veracruz ist für mich ein riesiges Massengrab, und wie ich bereits gesagt
habe: Wenn alle Gräber, die es im Bundesstaat gibt, gefunden werden, wird
dieses das größte Mexikos und vielleicht der Welt sein".

"Während vieler Jahre", fügte er hinzu, "ließ die organisierte Gewalt mit
dem Einvernehmen der Regierung Menschen verschwinden und entsorgte sie in
den Gräbern, die genau für diese Zwecke gemacht wurden".

"Alles ist absolut richtig, alles was die Familien sagen, ist die Wahrheit.
Während der Regierungszeit von Javier Duarte wurden die Familienkollektive
der Verschwundenen betrogen, indem sie DNA-Proben entnehmen ließen, um sie
angeblich mit denen der Leichen zu vergleichen, das war alles Lüge",
erklärte er.

Warum diese Gewaltsituation in Veracruz?

Veracruz ist einer der gewaltsamsten Bundesstaaten Mexikos, da es sich
hierbei um ein umstrittenes Gebiet zwischen den Drogenkartellen Zetas und
Jalisco Nueva Generación handelt.

Die Situation spitzte sich in der Regierungszeit von Gouverneur Javier
Duarte (2010-2016) weiter zu. Seit Oktober letzten Jahres befindet sich
Duarte, ein Politiker der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI,
Partido Revolucionario Institucional) auf der Flucht. Der
Generalstaatsanwalt des Gesamtstaates beauftragte Interpol damit, eine
Fahndung nach ihm herauszugeben.

Duarte wird gesucht wegen widerrechtlicher Bereicherung sowie Unterschlagung
und der Nichterfüllung seiner rechtlichen Pflicht - Anschuldigungen, die der
Ex-Gouverneur als "grundlose Anklagen" zurückgewiesen hatte.

Der Bundesstaat ist eines der gefährlichsten Pflaster, um dort
journalistisch tätig zu sein. Während der Regierungszeit von Duarte wurden
dort 19 Reporter*innen umgebracht.
(BBC Mundo/poonal/bearb.)

Quellen und weitere Links:
https://www.npla.de/poonal/sonderbericht-zu-verschwundenen-und-geheimen-graebern/
https://www.npla.de/poonal/mexiko-was-man-ueber-den-groessten-fund-der-massengraeber-in-veracruz-weiss/


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