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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Mittwoch, 5. April 2017; 20:10
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Grüne Wickel / Glossen:

> Gehts nicht doch um Inhalte?

Randbemerkungen zur Grünen Tragödie

"Wenn die SJ - oder die Junge ÖVP gegen ihre Mutterparteien rebellieren,
freün wir uns nicht nur klammheimlich darüber. Wir geben den Jugendlichen
recht, wenn sie gegen verknöcherte Strukturen kämpfen - wenn sie
hinterfragen und noch nicht so "schrecklich erwachsen" sind. Wir gestehen
ihnen das Recht zu - wie unseren eigenen Kindern auch - ihre eigenen
Erfahrungen zu machen, und ihre eigenen Schlußfolgerungen daraus zu ziehen.

Bei der Grünen Partei ist das nicht so. Da sind nämlich WIR die Jungen, die
Rebellischen - wir lassen die anderen Parteien alt ausschaun. und die Grüne
Jugend brauchen wir nicht wirklich - noch dazu, wenn sie uns beim
Größerwerden stört - ihre Aktionen könnten uns WählerInnenstimmen kosten.
Müssen sie wirklich unsere grünen Forderungen wie 'Haschisch legal' und
'Gleiche Rechte für Lesben und Schwule' gleich an die Große Glocke hängen?
Und noch dazu in Kärnten! Müssen sie wirklich gegen schwarz-grün in
Oberösterreich protestieren - und gleich ein grünes Büro besetzen??

Damals, 1968 - nach dem Einmarsch in die Tschechoslowakei - hat die KPÖ u.a.
ihre damalige Jugendorganisation einfach ausgeschlossen. Wir haben ihren
politischen Kurs damals nicht mitgetragen. Viele von damals wurden die
Gründungsväter- und mütter der Alternativen Liste - und danach der Grünen
Alternative - wißt Ihr noch???"

So manch einem und einer wird bei den Beispielen aufgefallen sein, daß es da
nicht um die jetzige "Grüne Jugend" geht. Das schrieb nämlich Renate
Sassmann im März 2004. Damals ging es um die "Grünalternative Jugend" (GAJ),
die dann ein paar Jahre später endgültig durch die Grüne Jugend ersetzt
wurde. Denn schon damals verweigerte die Partei wegen Fehlverhaltens die
Anerkennung und damit den Zugang zur staatlichen Unterstützung. Damals
revidierte die Partei noch ihre Meinung respektive gewährte -- vereinfacht
gesagt -- einer umorganisierten GAJ-Plattform die Anerkennung. Daneben wurde
die Grüne Jugend aufgebaut, in der die GAJ an manchen Orten aufging,
anderswo konkurrenzierend weiterbestand. Erst 2011 wurden dann die Jungen
Grünen einheitliche Bundesjugendorganisation der Grünen Partei.

Die Geschichte wiederholt sich - mit seltsamen Twist: Während heute die
Grüne Jugend eine neue Studierendenorganisation als Alternative zur GRAS
unterstützt und diese damit unterminiert, unterstützte damals sukzessive die
Partei eine neue Jugendorganisation, weil ihr die alte nicht mehr paßte. So
könnte man es zumindest sehen -- angesichts der Querelen, die die
Mutterpartei mit ihrer Jugend hatte, wahrscheinlich nicht ganz zu unrecht.
Schließlich erinnert man sich noch an eine ähnliche Rücktrittsaufforderung
durch die GAJ an den damaligen Bundessprecher Christoph Chorherr in den
90ern oder die Flaggerl-Gackerl-Affäre 2007.

In der ganzen Debatte heute wird auch immer wieder betont, daß es nur um
strukturellen Fragen ginge, nicht um Inhalte. Ob dem wirklich so ist, bleibt
jedoch fraglich. Schließlich war auch die neue Jugendorganisation nicht
immer handzahm. Da wäre zum Beispiel die Unterstützung für die NOWKR-Website
durch die Jugend, die Ordnungsrufe der Parteiführung zur Folge hatte. Oder
die Verarsche des biederen EVA-Magazins im Wiener Wahlkampf, wogegen die
Jugend ihr "Moony-Magazin" veröffentlichte. Das war vielleicht noch nicht
parteischädigend, weil es doch Leute für die Grünen ansprach, die von der
Peinlichkeit dieses Wahlkampfs abgeschreckt wurden. Dennoch war es für die
Namensgeberin des Magazins eine heftige Watschen.

Wenn man sich dann aber auch noch die Website der Grünen Jugend ansieht,
kann man erkennen, daß deren Bildungsangebote und Kampagnen thematisch doch
über das hinausgehen, was man von einer grünen Jugendorganisation erwartet.
Man beschäftigt sich mit dem Spanischen Bürgerkrieg und der
Oktoberrevolution, macht Lesekreise zu Marx, Lenin und Luxemburg -- und man
pinkelt dem neuen grünen Säulenheiligen VdB ans Bein, weil er nach Ansicht
der JG den Akademikerball verharmlose. Man vermeint eher auf der Homepage
der SLP zu sein als auf einer grünen Site.

Das kann einer Bundesführung, die zu Koalitionen mit fast jeder Partei
bereit zu sein scheint, einfach nicht gefallen. Und es würde erklären, warum
man die Unterstützung der "falschen" Uni-Fraktion und die
Majestätsbeleidigung der Bundesobfrau derart harsch beantwortete.Verletzter
Stolz allein kann es wohl nicht gewesen sein.
*Bernhard Redl*

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> Ein bescheidener Vorschlag

Erstaunlicherweise tauchte in den Massenmedien in den letzten Tagen immer
wieder die Freie österreichische Jugend auf. Da hätte ich eine Idee. Die
Grünen stehen ja jetzt plötzlich ganz ohne Jugendorganisation da. So eine
Neugründung kostet Zeit, Energie und Nerven. Vielleicht sollte sich die FÖJ
anbieten: "Gut organisierte, ausgereifte und erfahrene Jugendorganisation
sucht nach längerer Unabhängigkeit zwecks Finanzierung ihrer Tätigkeit für
begrenzte Zeit neue Mutterpartei. Gemeinsame Geschichte von Vorteil."
*Mario Czerny*



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