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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Dienstag, 15. Januar 2008; 19:09
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USA/Umwelt:

> Erinnerungen an Bhopal

In West-Virginia stinkts gewaltig

Seit zwei Wochen leiden die Anwohner des amerikanischen BAYER-Werks in
Institute/West Virginia unter gesundheitsschaedigenden Chemikalien-Daempfen.
Am 28. Dezember waren in der Fabrik mehrere Faesser mit dem Pestizid
Thiodicarb geborsten. Seitdem haelt im Umfeld des Werks eine starke
Geruchsbelaestigung an. Dutzende Anwohner mussten wegen Kopfschmerzen und
Atemwegsproblemen behandelt werden, mindestens ein Betroffener liegt im
Krankenhaus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Thiodicarb als
"extrem gefaehrlich".

Der Praesident des zustaendigen Verwaltungsbezirks Kanawha County, Kent
Carper, uebt scharfe Kritik an der Werksleitung: "Das Verhalten von BAYER
nach dem Unfall war bodenlos, die veroeffentlichten Informationen waren
vollkommen unangemessen. Niemand wusste, was zu tun war". Noch acht Stunden
nach dem Vorfall am 28. Dezember lagen den Behoerden keinerlei Informationen
zu den ausgetretenen Chemikalien und deren Gefaehrlichkeit vor.

Anfang Jaenner wurde BAYER von der Umweltbehoerde des Bundesstaats West
Virginia vorgeladen, zudem startete die Behoerde eigene Luftmessungen. Der
Vorfall kurz vor Sylvester war bereits der dritte innerhalb von nur sechs
Wochen: Am 16. November waren 50 kg der Chemikalie Rhodimet ausgetreten, was
zu einer zehntaegigen Geruchsbelaestigung fuehrte. Am 20. Dezember traten
stinkende Abgase aus einem Faultank aus. Earl Billingsley, Leiter der
staatlichen Abteilung fuer Luftqualitaet, kuendigte Strafzahlungen wegen der
Vorfaelle an. Die Hoehe werde in den naechsten Wochen bekannt gegeben.

Thiodicarb ist ein sehr gefaehrliches Agrogift, das in der EU verboten ist.
Im vergangenen Jahr hatten 154 Organisationen aus 35 Laendern den
BAYER-Konzern aufgefordert, den Verkauf von Thiodicarb und weiterer
hochgefaehrlicher Pestizide einzustellen.

Das Werk in Institute gehoerte frueher zu UNION CARBIDE und war das
"Schwester-Werk" der Fabrik in Bhopal. In Bhopal fielen 1984 mindestens 4000
Menschen der Chemikalie Methyl-Isocyanat (MIC) zum Opfer. Heute ist
Institute das einzige Werk in den USA, in dem MIC in grossen Mengen
produziert und gelagert wird. Etwa die vierfache Menge des in Bhopal
ausgetretenen MIC lagert in der Fabrik, genaue Angaben verweigert die
Werksleitung. Ein worst-case-Szenario kam 1994 zu dem Ergebnis, dass bei
einem Grossunfall in einem Umkreis von 15 km toedliche Vergiftungen
auftreten koennten. Bevor das Werk von BAYER gekauft wurde, kam es in
Institute zu mehreren schweren Unfaellen mit Todesfolgen.
(Coordination gegen BAYER-Gefahren/gek.)



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