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Aussendungszeitpunkt: Dienstag, 12. Oktober 2004; 17:13
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Buecher:

> ATTAC -- was ist das?

Pier-Paolo Pasqualoni/Helga M. Treichl (2004):
Aktivismus als Beruf? Zum Selbstverstaendnisprozess von ATTAC Oesterreich.
Mit einem Vorwort von Evamaria Glatz.
Studienverlag Innsbruck/Wien/Muenchen/Bozen
ISBN: 3-7065-4040-1
65 Seiten, 8 Euro

Der Waschzettel sagt: "Seit seiner Gruendung sieht sich Attac Oesterreich
mit der Frage seiner politischen Identitaet konfrontiert. Definitionen wie
┤Netzwerk┤, ┤soziale Bewegung┤ oder ┤NGO┤ werden im Rahmen dieser
Auseinandersetzung intensiv und kontrovers diskutiert. Indem sie diese
Debatten in einen breiteren gesellschaftspolitischen Kontext stellen, geben
die AutorInnen dieses Bandes gekonnt Antwort auf die Frage nach der
Bedeutung einer Richtungsentscheidung fuer Attac."

Ja, schon, leider geben sie diese Antwort in einer manchmal recht verquasten
Sprache -- ein paar Semester Soziologie sind zum Verstaendnis zwar nicht
unbedingt noetig, erleichtern die Lektuere aber wesentlich. Das duenne
Baendchen ist eine sehr dichte Nabelschau von ATTAC -- allerdings nicht
uninteressant, da am Exempel ATTAC sehr schoen die Widersprueche so mancher
Bewegung/Initiative/ Organisation/Partei aufgezeigt werden. Das Buechlein
ist eine kritische Auseinandersetzung in einer Art, wie man sie sich auch
wieder mal von den Gruenen, Global 2000 oder anderen mittlerweile "gross"
und "professionell" gewordenen Institutionen wuenschen wuerde.

Als Beispiel dieser Debatte sei auch das Problem mit dem Woertchen "links"
hervorzuheben -- natuerlich ist ATTAC bei aller, naja, sagen wir mal:
affirmativen Ambivalenz zur Marktwirtschaft schon irgendwo links; zumindest
linker als die Gruenen und die SPOe -- aber sie haben Angst davor, so
eingestuft zu werden, weil sie sich mit diesem Unwort beim Establishment die
Anerkennung als serioeser Gespraechspartner zu rauben fuerchten. Aber
immerhin: In dem vorliegenden kleine Buechlein wird das beinhart diskutiert.

ATTAC -- und das gilt fuer die oesterreichische Sektion genauso wie fuer
wohl die meisten anderen und ganz besonders fuer das internationale
Netzwerk -- weiss nicht genau, was es sein soll. Im Unterschied aber zu
vielen anderen "Politikmachern" diskutieren die Leute aber immer noch
darueber -- und dieser Unterschied ist wohltuend.

Was aber leider voellig ausgeblendet wird, ist das, was der Titel verheisst.
Nach dem Haupttitel "Aktivismus als Beruf?" haette ich mir schon auch eine
ausfuehrliche Diskussion zum Thema "bezahlte Funktionaere versus unbezahlte
Basis" und die daraus resultierenden Mechanismen erwartet. Denn das ist auch
ein Thema, um das man sich in fortschrittlichen Organisationen immer wieder
zu schummeln pflegt -- was aber dann doch regelmaessig fuer Knatsch sorgt.

Also alles in allem: Eine schwer lesbare Themenverfehlung, dennoch aeusserst
interessant und lesenwert.
*Bernhard Redl*

*

Das Buechlein ist im Attac-Buero (Margaretenstr. 166, A-1050 Wien, 54
641-430), im Buchhandel und beim Verlag ( http://www.studienverlag.at/ )
erhaeltlich. Die AutorInnen freuen sich ueber Feedback, Kritik und
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