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Aussendungszeitpunkt: Dienstag, 3. Dezember 2002; 14:30
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Neuquahlen/Reaktionen auf akin 30/02:

> Was ist links?

Zu B.Redl: "Aus nix wird nix"

Lieber Bernhard, Du schreibst ueber die "explizit linken Stimmen", ohne zu
definieren, was rinks und lechts ist; ich nehme an: links ist
emanzipatorisch, wahrscheinlich in der Tradition der Arbeiterbewegung, die
die Arbeiter aus der Abhaengigkeit von den Kapitalisten befreien wollte.
Okay ?

Du kommst zu dem Schluss: "Die explizit linken Stimmen stagnieren". Ich
vermute, die gesellschaftlichen Verhaeltnisse sind in Aenderung: immer mehr
atypisch Beschaeftigte, die mit dem Rotz raufen um ueberhaupt Luft zum
Schnaufen zu bekommen, und immer mehr "Neue Selbstaendige", die hoffen, sich
mit Gueck und viel Engagement hoch arbeiten zu koennen, die keine Zeit
haben, die AkIn zu lesen - ich nehme an, das sind von haus aus keine "linken
Stimmen". Die klassischen "Linken" werden weniger. Wie sollen sich die
linken Stimmen da vermehren?

Dein Rezept "Zuerst muss man sich wieder darauf besinnen, politische Arbeit
im Sinne von Agitation zu betreiben", "den Menschen zu erklaeren" etc.
begeistert mich nicht. Ich kann nur Menschen ueberzeugen, mit denen ich
reden kann. Ich kann nur mit Menschen reden, denen ich zuhoere. Mit manchen
Menschen, mit vielen, kann ich nicht reden, die halte ich nicht aus. Tut mir
leid.

Mir faellt auch nichts besseres ein als Ilse: Weitermachen. *Liesl Fritsch*


***

> Ein Auftrag fuer die Gruenen - eine Antwort

Liebe Liesl, unter "links" verstehe ich Kapitalismus- und Herrschaftskritik,
jenen Konsens einer grossen Bandbreite von Meinungen also, von dem die akin
getragen ist. Ich glaube nicht, dass man das dem akin-Publikum noch zu
erklaeren braucht.

Weiters verstehe ich es voellig, dass Du nicht mit allen reden kannst. Ich
kann es auch nicht. Aber die Gruenen Parteispitzen koennen es! Die Gruenen
sind doch einmal angetreten, ein parlamentarischer Arm der Sozialen
Bewegungen (nicht nur der Umweltschutzbewegung) zu sein. Und hatten damit
auch sehr wohl das Selbstverstaendnis, die Menschen von ihren Ideen
ueberzeugen zu wollen, anstatt nur darauf zu schauen, wie sie moeglichst
viele Stimmen zusammenbekommen koennen. Die Gruenen haben nunmal einen
grossen Teil des politischen Potentials der Sozialen Bewegungen aufgesaugt
und die diversen "professionellen" Wahlkaempfe zeigen ja, dass sie kein
Problem haben, auch mit dem kronenzeitungslesenden Otto Normaloesterreicher
zu reden. Wenn aber die Meinungsforscher bemueht werden, die den
Parteistrategen sagen, dass Umweltschutz und Soziales hoch im Kurs stehen,
beispielsweise explizite Kapitalismus-Kritik aber bei ihrer Klientel eher
nicht so gut ankommt, dann reden sie halt so von Umweltschutz und Sozialem,
als haette das alles nichts mit dem Kapitalismus zu tun -- im vollen Wissen,
dass der politische Spielraum bei Akzeptanz von WTO- und EU-Vorgaben in
diesen Politikbereichen nahe Null ist. Wenn ich das aber nicht sage, sondern
so tue, als koennten weitgehende Aenderungen in diesen Bereichen einfach so
im Nationalrat beschlossen werden, wenn man nur eine Mehrheit hat, dann
fuehrt man die Menschen wissentlich in die Irre und traegt ueberhaupt nichts
zu ihrer politischen Aufklaerung bei -- und das, obwohl man (im Gegensatz zu
uns beiden) sehr wohl ueber ein nicht zu unterschaetzendes mediales
Potential verfuegt. Zugegeben, dieses Potential haben die Gruenen, weil sie
so brav gewesen sind und wenn sie nicht mehr brav waeren, wuerden sie wieder
davon einiges verlieren. Aber ihre Praesenz im Nationalrat und in den Medien
ist halt nicht Selbstzweck, sondern sie sollen die Anliegen der Sozialen
Bewegungen damit in den Staatsapparat und in die Oeffentlichkeit tragen. Das
ist, was ich verlange -- von Gruenen als auch von jenen wackeren Mitmenschen
die sich in der Sozialdemokratie als Linke verstehen. Ist das wirklich
zuviel?

Nebenbei bemerkt: Wenn man dieser Tage dem ORF bei seinen
Koalitionsspekulationen lauscht, heisst die Parole "Schwarzgruen!". Warum?
Weil es, wie das Wort jetzt geht, "Charme" habe. Schwarzblau oder Schwarzrot
ist fad, Schwarzgruen waere mal was anderes. Diese Idee hat einfach
Unterhaltungswert.

Und die Reporter werden bei der Gruenen Prominenz diese Option so lange
er-fragen, bis die Gruenen glauben, das wuerde gut beim Publikum ankommen.

Und sollte es tatsaechlich zu Schwarzgruen kommen, hoere ich jetzt schon die
Kommentatoren, die uns nach dem baldigen Scheitern dieser Regierung
erklaeren, dass sie eh schon vorher gewusst haben, dass das keine gute Idee
war. Aber es war halt mal was anderes...

Wann wird diese Journaillie endlich begreifen, dass man "News" mit
Nachrichten" uebersetzt und nicht "was ganz toll Neues" bedeutet? *Bernhard
Redl*


***

> Hat diese "Partei" ein Programm?

Zu den Beitraegen in der ersten Nummer nach der Wahl sowie zur Wahl selber
haette ich folgende Anmerkungen und Fragen:

- Insgesamt einverstanden mit Ilse Grusch, nur "mehr vom selben" bringt uns
wahrscheinlich nicht weiter. Was wir koennen (sollten) und das Establishment
nicht, ist gefragt: Kreativitaet, Innovation ...

- Zu Thomas Herzel: ernst zu nehmen oder Satire? Bei aller Wahrheit einiger
Angriffe gegen die SPOe: Warum ist die Reform von Pensions-, Justiz- und
Gesundheitssystem dringend notwendig? Wegen der paar SP-Bonzen?Wegen der
"Unfinanzierbarkeit" (wo in einem der reichsten Steuerparadiese der Erde,
die Steuerschulden mehr ausmachen als die Defizite?) Oder wegen des
Shareholdervalues?

Dazu passt die Werbung fuer die "nicht so typisch konservative" OeVP, in der
die Industriellen gegenueber allen anderen das Sagen haben.

Gruene in die Koalition mit den Hauptumweltverschmutzern?

Friedensaktivisten, koalierend mit Kriegsgewinnlern? .....

- Mit Redl bin ich prinzipiell einverstanden, aber wie politisch
alphabetisieren? Mit den Gruenen?

Hat diese "Partei" ein Programm? (Waere sie bedingungslos fuer Neutralitaet,
muesste Voggenhuber ausgeschlossen werden!) Was sollenVorzugsstimmen fuer
Van der Bellen? Wohl innergruene Machtkaempfe - noch einmal Abschneiden
"linker Fransen" wie bei Freda Blau und Guenther Nenning?

Wie reagieren BfS und AUGE auf einen solchen Rechtsruck der Gruenen?

Weitere Fragen: wie sieht die jetzige soziale Zusammensetzung der
Studierenden aus, dass sie und ihre Eltern sich nicht vehementer gegen
dieGebuehren gestellt haben? Gibt es eine fundierte Bewertung
der"Abfertigung neu" oder handelt es sich um ein Riesengeschenk an
Unternehmen?

Auf Antworten in der AKIN wartet *Dora Schimanko*


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