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Aussendungszeitpunkt: Dienstag, 30. April 2002; 15:38
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Anti-S/B:

> Die unausloeschliche Botschaft

Die Adresse Ballhausplatz 1a oder 48 12.458' Nord und 16
21.807' Ost ist wieder bewohnt

Die "Botschaft besorgter BuergerInnen", Daueraergernis der
Regierung am Ballhausplatz, existiert. Nicht nach wie vor,
sondern schon wieder und schon wieder und schon wieder. Drei
Raeumungen hatte das Botschaftspersonal zu erdulden, ist aber
immer wieder gekommen. Hier kurzgefasst die Chronik der rasenden
Ereignisse:

MITTWOCH, 24.4.: Am Morgen kommt der diensthabende Botschafter
auf den Ballhausplatz und sieht sich jener Leere gegenueber, in
der noch am Abend zuvor die huebsch ausgebaute Botschaft
gestanden hatte. Da aus Personalmangel kein Nachtdienst
durchgefuehrt worden war, hatte die Minister Bartenstein
weisungsgebundene Burghauptmannschaft leichtes Spiel gehabt: Der
beauftragte Wachdienst der Firma "Securitas" hatte ganze Arbeit
geleistet.

Der Botschafter schlaegt Alarm. Eine eMail-Flut bricht los.

In Windeseile wird ein neuer Bretterverschlag angebracht. Nicht
so schoen wie die alte Botschaft, aber doch klarmachend, dass man
hier nicht wegzugehen gedenkt.

18 UHR: Es trifft sich eine gar nicht mal so kleine
Spontan-Kundgebung bei der "Botschaft II". Die Stimmung bei
Botschaftspersonal und Demonstrierenden ist zwar empoert, aber
guten Mutes. Zur Stimmung traegt auch noch eine Solidemo von der
derzeit auch nicht gerade verschlafenen Uni bei.

22 UHR: Der Wachdienst raeumt unter dem gestrengen Auge eines
Polizeiaufgebots die Botschaft wieder weg.

DONNERSTAG, 25.4.: In der Nacht wird Botschaft III, die "kleinste
Botschaft der Welt", ein rot-gelbes Kinderhaus enthuellt.
Botschaftspersonal macht es sich auf einem Parkplatz daneben (auf
Gemeindegrund) mit Sessel und Baenken gemuetlich. Daneben in der
Wiese stehen zwei Zelte - illegalerweise wie der Herr von der
Securitas betont.

SPAeTER VORMITTAG: Eine Kundgebung wird bei der Polizei
angezeigt, die Anzeige bestaetigt und nicht untersagt.

Kurz darauf kommt der Wachdienst (mit dabei
Securitas-Geschaeftsfuehrer Erich Lisak himself) und raeumt -
dokumentiert durch zahlreiche Photographien - per
Handgreiflichkeit Botschaft und Belegschaft ab. Ein Botschafter
erleidet eine tiefe Schuerfwunde - deren "Entstehen voellig
unklar und nicht nachvollziehbar" gewesen sei, so Lisak
gegenueber dem "Standard". Burghauptmann Wolfgang Beer erklaerte,
ihm sei nicht bekannt, dass die Sicherheitsleute Personen
weggetragen haetten.

Mittlerweile hat sich im Depot der Hofburg schon eine Menge
Material angesammelt - laut Botschaft im Wert von etwa 4500 Euro.
Burghauptmann Wolfgang Beer erklaert, man koenne sich unter
Angaben der Personalien das Material abholen - ein Angebot, auf
das man seitens der Botschaft eher wenig reflektierte, hatte sich
doch der Burghauptmann beschwert, dass er niemandem die Kosten
fuer die Raeumung verrechnen koennte, "weil wir keine Namen
haben".

22:30: Botschaft IV wird errichtet. So wie in der Anfangsphase
als weisses Zelt mit einem Infotisch. Uns das steht immer noch.

Denn bislang (Stand: Montag, 24 Uhr) war von der Securitas nichts
mehr zu sehen. Und das hat wohl einen guten Grund. Denn waren die
letzten Raeumungen in ihrer Legalitaet schon schwer zweifelhaft,
ist ueber die Illegalitaet der letzten kaum noch ein Zweifel
vorhanden: Denn schliesslich war es ja eine legale Kundgebung.
Dem Wachdienst wurde das auch zur Kenntnis gebracht - doch das
scherte diesen nicht.

Rechtsanwalt Andreas Loew wurde von einem der verschleppten
Botschafter mit der Rechtsvertretung beauftragt. Loew meint,
egal, ob es sich dabei um einen oeffentlichen oder einen privaten
Grund handelt, darf ein privater Wachdienst bei einer legalen
Kundgebung die Leute sicher nicht wegraeumen - das waere als
Freiheitsberaubung anzusehen. Ebenso waere die anwesend gewesene
Polizei belangbar wegen Unterlassung ihres Einschreitens.

Auch wenn Burghauptmann Wolfgang Beer gerade dieses
Nicht-Einschreiten als Argument anfuehrte, dass da dann doch wohl
in Ordnung gewesen sein muesste, scheint man jetzt doch etwas
kuerzer zu treten - Polizei und Sicherheitsdienst haben jetzt
einmal ziemlich viel Butter am Kopf, mit der sie sich momentan
eher ungern in die warme Fruehlingssonne des Ballhausplatzes
wagen.

Doch darauf kann man sich nicht verlassen. Daher bittet das
Botschaftspersonal dringend um Verstaerkung. Denn die grosse,
vollausgebaute Botschaft war nur deswegen so leicht zu entfernen,
weil niemand Nachtdienst gemacht hatte. Wer Lust hat, melde sich
persoenlich an Ort und Stelle oder unter 0664-9368837 zu Diensten
an. *Bernhard Redl*

Weitere Infos: http://botschaft.cjb.net
http://www.ballhausplatz.at
 
 

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