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Aussendungszeitpunkt: Dienstag, 23. April 2002; 15:38
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Venezuela/USA/Kommentar der anderen:

> Remember Chile

Auch wenn der Abgang von Hugo Chavez nur ein kurzfristiger war,
gibt es doch einige Parallelen zu frueheren Ereignissen. Denn im
Gegensatz zu den Berichten einer bevormundeten westlichen Presse
war Hugo Chavez nicht unpopulaer und trat keineswegs zurueck,
berichtete GREG PALAST im "Guardian Unlimited":

Was wir alles zu lesen bekamen: Hugo Chavez, der unpopulaere
diktatorische Machthaber Venezuelas trat zurueck. Nachdem man ihn
beschuldigt hatte, die Erschiessung von Regierungsgegnern
angeordnet zu haben, machte er Platz fuer progressive,
demokratische Kraefte des Militaers und dem Leiter des
venezolanischen Wirtschaftsrats.

Zwei Dinge in dieser Geschichte fielen mir auf: erstens ist jede
dieser Faktoide voellig falsch. Zweitens: alle Zeitungen der
herrschenden Hemisphaere, von der New York Times bis zum Guardian
verwendeten identische Vokabeln: "diktatorisch, unpopulaer,
Ruecktritt" in ihrer Berichterstattung.

Beginnen wir mit dem "Ruecktritt", der die Regierungen von Bush
und Blair veranlasste, ueber ihre eigenen Fuesse zu stolpern,
weil sie sich bei der Anerkennung der Putschisten so beeilten.
Fuer diesen Ruecktritt gab es weder eine Bestaetigung noch
Zeugen. Ich verlangte Antworten von der venezolanischen Botschaft
in London und mir wurde mitgeteilt, dass Chavez sich hatte
arretieren lassen, um Blutvergiessen zu vermeiden, aber gesagt
hatte: "Ich bin noch immer Praesident."

Der Ruecktrittsmythos war Teil einer jahrelangen
Desinformationskampagne gegen den populaeren frueheren
Fallschirmjaeger, der mit 60% der Stimmen gewaehlt worden war.
Das Weisse Haus von Bush hat angeblich die Wahl von Chavez durch
eine Mehrheit der Waehler als eine nicht ausreichende
Legitimation fuer die venezolanische Regierung bezeichnet. Diese
Einschaetzung kommt nicht unerwartet von einer US-Regierung, die
selbst im Amt ist gegen die Entscheidung der Mehrheit der
Waehler.

Was weder Bush noch die Zeitungen vermeldeten, ist, dass Chavez'
wirkliches Verbrechen in zwei Gesetzen bestand, die Venezuelas
Nationalversammlung durchlaufen haben: das erste zwang die
Eigentuemer grosser Plantagen, unbearbeitetes Land den Landlosen
zu ueberlassen, das zweite verdoppelte die Lizenzgebuehren fuer
die Oelgewinnung. Venezuela war der groesste Oelexporteur fuer
die USA, groesser als Saudi-Arabien. Das erklaert Chavez'
Unpopularitaet - wenigstens bei seinem Hauptgegner, der
amerikanischen Erdoelindustrie.

Uebrig bleibt der Vorwurf, dass Chavez nach der New York Times
Soldaten befohlen haben soll, auf eine Menge von Protestierenden
zu schiessen. Dieses Blutbad ohne Beweis findet sich in jeder
westlichen Zeitung. Ich konnte leicht Augenzeugen ohne Verbindung
zu irgendeiner Seite finden, die erzaehlten, dass das Schiessen
von der Anti-Chavez Metropolitan Police begonnen worden war und
die ersten Getoeteten Pro-Chavez-Demonstranten waren.

Es ist das alte Lied der CIA-Desinformation, das schon einmal, in
Chile, gespielt wurde. *Ue.: akin, gekuerzt*

Quelle:
http://www.guardian.co.uk/Archive/Article/0,4273,4396083,00.html

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